Werner Kunkel studierte seit Ende der 1940er Jahre Malerei an der Berliner Hochschule für bildende Künste. Karl Hofer, Nachkriegsdirektor der HfbK, hatte den begabten jungen Zeichner persönlich zur Aufnahmeprüfung empfohlen. In der geteilten Stadt erlebte Kunkel nicht nur hautnah die politischen Kontroversen des Kalten Krieges, sondern auch den, teilweise erbittert geführten, künstlerischen Richtungskampf zwischen Vertretern der Abstraktion und Anhängern der Gegenständlichkeit. Kunkel, der sein Studium als Meisterschüler bei Hans Kuhn abschloß, wandte sich, bis auf wenige Ausflüge in abstrakte Bildwelten, der realistischen Malerei zu. Von wenigen Ausstellungsbeteiligungen abgesehen, hielt er sich bewußt abseits der Kunstszene.

Werner Kunkels künstlerisches Werk umfaßt, neben Druckgrafiken und einigen wenigen Skulpturen, insbesondere Zeichnungen, Skizzenbücher und Ölbilder. Sein außergewöhnliches zeichnerisches Talent und seine präzise Beobachtungsgabe ließen Kunkel einerseits zu einem Chronisten des Alltäglichen werden – hiervon zeugen seine Porträts, Landschaften und Strandszenen. Andererseits bilden die zahlreichen Stilleben – häufig arrangiert mit symbolisch aufgeladenen Objekten wie Spiegeln, Muscheln oder Totenschädeln – einen eigenwilligen künstlerischen Kosmos, der sachliche Abbildung und hintergründige Sinnbildhaftigkeit verbindet. Einen besonderen Stellenwert nehmen die Atelierbilder ein, in denen Kunkel das eigene Schaffen immer wieder zum Thema macht und reflektiert.

1922 geboren am 18. Juli in Magdeburg
1940 Schulabschluß, danach Kaufmannslehre
1941 bis 1945 Militärdienst als Telefonist an der Ostfront
Oktober 1945 Entlassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft
1946 bis 1947 Kunstgewerbeschule Hildesheim
1948 bis 1954 Studium an der HfbK Berlin bei Prof. Hans Kuhn in der Klasse für freie  Malerei und Wandgestaltung, 1953 Meisterschüler, Mitarbeit an Wandgestaltungen Hans Kuhns in Berlin und Süddeutschland, u. a. für das Verlagshaus Burda
1955 bis 1957 freischaffend tätig in Offenburg/Baden, Begleiter des jungen Hubert Burda als Kunstlehrer auf vielen Reisen zu europäischen Kunst- und Kulturstätten
1957 Rückkehr nach Berlin, Heirat mit der Malerin Anne Schilbach
freiberufliche Tätigkeit, Studienreisen, vor allem ans Meer, u. a. nach Italien, Frankreich, an die deutsche Nord- und Ostseeküste und in die Fjordlandschaften Norwegens
1962 bis 1986 Lehrer für Naturstudien und Aktzeichnen am Lette-Verein Berlin
1986 Umzug nach Lehe/Dithmarschen
2005 Retrospektive des Werkes im Kunstverein Offenburg
2006 Tod von Anne Kunkel-Schilbach
2007 Umzug nach Braunschweig, Aufgabe der Malerei aus gesundheitlichen Gründen
erste große Werkschau in Berlin, Schubert.Galerie
2017 gestorben am 1. Juli in Braunschweig